Und kommst du liebe Sonn nicht bald
Konzert zu den Bauernkriegen
Clarissa Renner / Sopran
Pedro Matos / Tenor
Margot Simon / Blockflöte, Dulzian
Uwe Ulbrich / Rebec
Babett Niclas / Harfe
Masafumi Sakamoto / Renaissanceposaune
Hannes Malkowski / Perkussion
Maria Anne Müller / Schauspielerin
In Zusammenarbeit mit der communale oö 2026 ermöglicht uns das Leipziger Ensemble Sospiratem einen Blick über die Grenze zu den Bauernkriegen in Deutschland. Hier herrschen Reformbemühungen, Fremdbestimmung, Machtgehabe und Ohnmacht.
Programm (328 kB)
Programm
Es geht ein dunkle Wolk
aus: Johannes Werlin Rhitmorum varietas III, 1646
So treiben wir den Winter aus
vor 1550
Ein Lied für die Kinder, damit sie zu Mitterfasten den Papst austreiben
vermutlich Johann Mathesius, Flugblatt Wittenberg, 1545
Bauerntanz
Caspar Othmayr, aus: Wolfgang Küffer, 1557–1559
Bauernkalender
aus: Georg Forster Teutsche Liedlein II, 1540
Der Floh
Erasmus Widmann, aus: Die musikalische Kurtzweil, 1611
Bauernklage
anonym, um 1650
So trincken wir alle diesen Wein mit Schalle
Arnold von Bruck, aus: Georg Forster Teutsche Liedlein II, 1540
Danz
Ana Maria Leyrsederin, aus: Tyroller und Salzburger Däntz, 1761
Es ist ein Schnitter
anonym, Flugblatt 1638
Nach grüner Farb mein Herz verlangt
Michael Praetorius/Max Pohl, 1911
- Und die Erde kommt zum Stillstand.
Ach wie flüchtig, ach wie nichtig
Johann Crüger, aus: Praxis pietatis melica, 1662
Wie steht ihr hier und seht mich an
aus: Das Babstsche Gesangsbuch II, 1545
Ich bin ein freier Bauernknecht
aus: Johannes Werlin Rhitmorum varietas III, 1646
Die Lumpenbauern
mündlich überliefertes Spottlied
- Für sie nennt Gott das Schwert.
Ein hübsch Lied von dem Uhlinger
Flugblatt zwischen 1554–1580
Mitten wir im Leben sind
Arnold von Bruck, aus: Johannes Ott Hundert und ainundzwanzig newe Lieder, 1534
- Eine Möglichkeit, zu verhandeln, gibt es nicht.
Judas-Lied Melodie
um 1350
Marschlied
aus: Georg Forster Teutsche Liedlein II, 1540
Wenn ich gedenk der Stund Jacob Regnart, aus: Georg Forster Teutsche Lieder, 1578/ Leonhard Lechner, aus: Newe Teutsche Lieder, 1579
- Der zerschnittene Wurm verzeiht dem Pflug.
Wohlauff mit lauter Stimm
aus: Reutterliedlein, 1535
Marschlied
aus: Georg Forster Teutsche Liedlein II, 1540
Der grimmig Tod
Pavierton 1525/ Adam Gumpelzhaimer, aus: Compendium musicae, 1591/ Johann Crüger, aus: Praxis pietatis melica, 1662
- Damit hat er sein Leben verwirkt.
Nu bitten wir den heiligen Geist
aus: Glogauer Liederbuch, um 1480
lerman, lerman und ayn feldgeschrey
Johannes von Salis-Samedan, um 1560
Ich wölt dz ich do heime wer
Heinrich von Laufenberg aus: Straßburger Handschrift, 1430
- Zur Pflantzung und Erhaltung christlicher Lieb und Einigkeit
Ein warhafftige Beschreibung und gründlicher Bericht, von dem traurigen Auffstandt der Ober-Enserischen Bauren
Flugblatt, 1626
Wie get es zu
Arnold von Bruck, aus: Johannes Ott Hundert und ainundzwanzig newe Lieder, 1534
- Alle Menschen träumen von Freiheit.
Wie wohl ich arm und elend bin
Melchior Franck, aus: Opusculum etlicher newer und alter Reuterliedlein, 1603
Nun ruhen alle Wälder
Johann Georg Ebeling, aus: Pauli Gerhardi Geistliche Andachten, 1667
Warum sollt ich nicht fröhlich sein
aus: Johannes Werlin Rhitmorum varietas III, 1646
Der lustige Bauer
aus: Caspar Othmayr 68 Lieder, 1542
Danz
Ana Maria Leyrsederin, aus: Tyroller und Salzburger Däntz, 1761
Rezitierte Texte (mit Kreis gekennzeichnet) in der Reihenfolge des Konzertprogramms aus:
Natalie Amiri und Düzen Tekkal: „Die mutigen Frauen Irans. Wir haben keine Angst!“, Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag 2023
Forugh Farrochzād: „Jene Tage. Gedichte“, übersetzt von Kurt Scharf, Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag 1993
Philipp Melanchthon: „Ein schrifft Philippi Melanchthon wider die Artickel der Pawerschafft“, Nürnberg: Gutknecht 1525
Martin Luther: „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“, Nürnberg 1525
Heribert Prantl: „Vergebung ist ein gesetzloses Wunder“, Kommentar in der Süddeutschen Zeitung vom 29.04.2015
Johann Karl Seidemann: „Die Reformationszeit in Sachsen von 1517 bis 1539“, Bd. 2, Dresden: Korische Buchhandlung 1848
o. N.: „Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit“, Bd. 2, Nürnberg: Germanisches Nationalmuseum 1855
Matthias Weber: „Die Reichspolizeiordnungen von 1530, 1548 und 1577. Historische Einführung und Edition“, Frankfurt am Main: Klostermann 2001
Charlie Chaplin: „Der große Diktator“, Charlie Chaplin Film Corporation 1940
Gisela Steineckert: „Wenn du mal nicht weiterweißt. Gedichte“, Berlin: Neues Leben 2014

Foto: Ensemble Sospiratem © Antje Kroeger
SOSPIRATEM
Klang. Wort. Geschichten. Auf diesen drei Säulen steht die künstlerische Arbeit des Ensembles Sospiratem. Mit ihrer Musik erzeugen die Musiker:innen einen Klang, der authentisch und lebendig ist, auf historisch informierte Aufführungspraxis aufbauend und auf die Gegenwart bezogen. Sospiratem ist in Leipzig ansässig, wo es sich 2013 an der dortigen Musikhochschule gegründet hat und in der Kernbesetzung aus Harfe, Blockflöte, Violine und Gesang besteht. Mittlerweile sind viele verschiedene Programme entstanden, die unter großer Resonanz aufgeführt wurden. Neben Konzerten in renommierten Spielstätten wie dem Händelhaus Halle, dem Dom zu St. Blasien, den Klosterkonzerten Frankfurt/Main, dem Hohenloher Kultursommer, dem Bodenseefestival u. v. m. zeugen Gastspiele in der Schweiz, Österreich und Polen von der regen Konzerttätigkeit. Immer wieder lädt das Ensemble Gastkünstler:innen ein, um der Musik in seiner historischen Dimension gerecht zu werden.
Clarissa Renner entschied sich im Anschluss an ihr Studium der Alten Musik/Historischen Gesang an der HMT Leipzig, ihrem Interessensschwerpunkt der Verbindung von Theorie und Praxis in einem Masterstudiengang Musikwissenschaft nachzugehen. Sie ist in verschiedenen mitteldeutschen Ensembles tätig und hatte die Möglichkeit, neben Radio- und Fernsehproduktionen an Meisterkursen von Emma Kirkby (Gesang), William Carter (Lautenlieder), Maria Jonas (Hildegard von Bingen) und Barthold Kuijken (Kammermusik) teilzunehmen. Neben ihrer Konzerttätigkeit war sie u. a. in Händels Oper Acis und Galatea als Damon und in Hasses La Semiramide riconosciuta als Mirteo zu erleben. Außerdem übernimmt sie regelmäßig musikwissenschaftliche Aufgaben wie die Gastautorenschaft im Gewandhaus zu Leipzig, einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Leipzig oder die Konzeption eines Audiowalks zur jüdischen Musikgeschichte Leipzigs.
Babett Niclas ist eine in Leipzig lebende Harfenistin mit verschiedenen musikalischen Schwerpunkten, die sie in unterschiedlichsten Formaten und Gruppen einbringt. Sie ist aktiv zwischen der Musik des 16./17. Jahrhunderts und des 20./21. Jahrhunderts sowie traditionellen Musiken und ihren Grenzbereichen sowie Improvisation. Sie studierte Harfe in Leipzig und Glasgow und erweiterte ihre Fähigkeiten um Scottish/Irish harp sowie das Spiel der barocken Tripleharfe und der Renaissanceharfe. Sie war Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung, des Yehudi Menuhin Live Music Now e. V., des Kulturamtes Leipzig und des Bayerischen Musikrates und ist Preisträgerin beim Verband deutscher Harfenisten.
Uwe Ulbrich konzertiert national und international mit Ensembles wie Musica Fiata, Concerto Farinelli, Merseburger Hofmusik, Ensemble Leipziger Concert, Johann Rosenmüller Ensemble, Batzdorfer Hofkapelle, Capella Jenensis und Concerto Foscari. Nach seinem Studium für das Gymnasiallehramt mit den Fächern Musik und Mathematik intensivierte er seine Beschäftigung mit Alter Musik im Barockgeigenstudium in Leipzig bei Volker Mühlberg und Prof. Mechthild Karkow. Nicht nur das Nutzen möglichst authentischer Instrumente und Bögen, sondern auch das Spielen und Forschen aus dem Notenmaterial und anderen schriftlichen Quellen der jeweiligen Zeit stehen im Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeit.
Pedro Matos faszinieren die Möglichkeiten der menschlichen Stimme. So erkundet er ein breites Spektrum an Repertoire, von Alter Musik bis hin zu Jazz und Folk, wobei er viele verschiedene Techniken einsetzt, darunter auch Beatbox. Er hat Hochschulabschlüsse in klassischem Gesang und in klassischer Gitarre. Seit 2017 lebt er in Berlin und studiert privat Gesang bei Sami Kustaloglu, Tim Ribchester (Korrepetition) und Michael Smallwood sowie im Masterstudiengang Historischen Gesang an der Musikhochschule Leipzig bei Yosemeh Adjei. Als Konzertinterpret arbeitet Pedro regelmäßig mit dem Ensemble Lachrymae sowie mit Gruppen wie Coro da Casa da Música Porto, Vocalconsort Berlin, Servientes Ensemble, Cantus Thüringen, Capella Angelica und der Lautten Compagney. Er ist Mitglied des Kollektivs Utopera, einer in Berlin ansässigen Gruppe, die sich mit der Kreation und Aufführung von Opern beschäftigt und dabei gängige Repertoires, Besetzungen und Rollenmodelle hinterfragt.
Margot Simon widmet sich einer Vielzahl historischer Holzblasinstrumente. Sie studierte Alte Musik an der HMT Leipzig mit Hauptfach Blockflöte bei Prof. Robert Ehrlich und Sheng-Fang Chiu sowie historische Oboen bei Michael Bosch. Ursprünglich aus Frankreich, zog sie für ihr Studium in die Stadt Johann Sebastian Bachs und ist seither in der mitteldeutschen Alte-Musik-Szene und darüber hinaus aktiv. Am häufigsten ist sie als Oboistin in verschiedenen Barockorchestern wie Märkisch Barock, dem Sächsischen Barockorchester, dem Chemnitzer Barockorchester und dem Gellert Ensemble zu erleben. Mit der Blockflöte spannt sie den Bogen von der Renaissance bis zur Neuen Musik. Der Dulzian – das Fagott der Renaissance – fasziniert sie besonders durch seine klangliche Wärme und seine tragende Funktion als Bassinstrument.
Masafumi Sakamoto stammt aus Tokio, Japan. Seit 2008 lebt er in Leipzig und studierte Posaune an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig bei Sebastian Krause und Prof. Thomas Leyendecker. Schon während des Studiums faszinierte ihn die Alte Musik und nach einem Engagement als Bassposaunist am Mittelsächsischen Theater studierte er Historische Posaune an der Hochschule für Künste Bremen bei Wim Becu und an der Schola Cantorum Basiliensis bei Catherine Motuz. Als gefragter Posaunist konzertiert er mit verschiedenen Ensembles, u. a. Capella de la Torre, Lautten Compagney Berlin, Oltremontano, Dresdener Kammerchor, Wroclaw Baroque Ensemble.
Hannes Malkowski studierte bei Peter A. Bauer, Axel Schüler und Heiko Jung Percussion und Schlagzeug an der Musikhochschule Leipzig. Sein Faible für die traditionellen Spieltechniken aller rhythmischen Instrumente treibt ihn an und macht ihn zu einem gefragten Musiker in unterschiedlichsten Genres, weit über das klassische Schlagwerk hinaus. Er spielt Alte Musik mit dem von ihm mitgegründeten Ensemble Combo CAM sowie unter anderem mit der Lautten Compagney Berlin und nuovo aspetto. Ausflüge in die klassische Musik unternimmt er regelmäßig mit der Philharmonie Leipzig.Er ist außerdem festes Mitglied des One Earth Orchestra, der Salsaband Mayoretta und der Mittelalterband Tanzwut. Regelmäßig begleitet Hannes Malkowski die Kinderchöre des MDR und der Oper in Leipzig. Er ist zudem freischaffend für diverse andere Formationen und Ensembles tätig.
Maria Anne Müller hat nach Jahren als Leistungssportlerin im Kunstturnen und Ballett sich ganz dem Theater gewidmet. Nach ihrem Diplom als Schauspielerin an der Musikhochschule Leipzig, folgten Engagements an verschiedenen Theatern Deutschlands und darüber hinaus sowie eine Ausbildung zur Bühnenfechtlehrerin. Neben Fecht- und Kampfchoreografien u. a. am Staatstheater Schwerin und dem Theater Rostock unterrichtet sie seit Jahren als Dozentin an verschiedenen Theater- und Musikhochschulen. Sie nahm Aufträge des mdr, arte, ZDF, Sat1 an und arbeitet als Workshopleiterin bei dm-drogerie markt. 1999 begann sie selbst Geschichten zu schreiben und Regie zu führen, z. T. in spartenübergreifenden Projekten (Jazz, Puppentheater). Sie gründete die Company Povezani mit Sänger:innen und Schauspieler:innen, die Oper und Theater neu denken wollen. Vier Stücke sind seitdem aus ihrer Feder geflossen und in Zusammenarbeit mit den vielseitigen Künstler:innen auf die Bühne gelangt.
https://www.sospiratem.de/
Änderungen vorbehalten!
Zusammenspiel von Musik und Literatur
An den Konzertabenden bietet die Oö. Landesbibliothek an einem eigenen Büchertisch Lesestoff passend zum jeweiligen Konzertprogramm an. Beim Flanieren durch das Haus können sich Besucher:innen ein Bild vom großen Angebot der wissenschaftlichen Universalbibliothek machen.
https://www.landesbibliothek.at/

communale oö 2026 400 Jahre Bauernkrieg in Oberösterreich
Mehr Informationen finden Sie auf der Website https://communale.at/.
